Dreschen, Mahlen und Brotbacken wie anno dazumal

„Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ heißt es am 16. September zwischen 11 und 17 Uhr bei der vorbildlich renovierten Pfaffenlehnermühle in Gitzing. Im Steingang der alten Hausmühle am Zauchbach wird Johann Wagner, einer der letzten Müllerge­sellen in unserer Region, Roggen und Weizen von den Feldern der Umgebung ver­mah­len und dabei allen Interessierten einen Einblick in sein Handwerk und die Geschichte der Mühle geben. Damit die Entstehung „unseres täglichen Brotes“ nachvollzogen werden kann, wird vor der Mühle mit einer rund 100 Jahre alten Stiftenmaschine gedroschen. Wie in früheren Zeiten üblich bringt der Allhartsberger Singkreis dazu traditionelle Drescherlieder zu Gehör. Schließlich kann das Brot, welches die Bäuerin vor den Augen der Besucher in einem gusseisernen Ofen bäckt, sofort verkostet werden.

Mühlen fand man einst an allen Bächen und Flüssen, weil bis ins beginnende 20. Jahrhundert selbst gebackenes Brot aus eigenem Getreide bei allen Bauern üblich war. Auch an der ca. 25 km langen Zauch gab es im 19. Jhdt 7 Haus- und 11 Lohnmühlen. Dass neben der gewerblich genutzten Staudenmühle auch eine Hausmühle, die so genannte Pfaffenlehner­mühle im Oberlauf des Baches – südlich von Neuhofen zwischen Hiesbach und St. Leonhard am Walde, nahe dem Haus Gitzing 22 gelegen – vor dem Verfall gerettet werden konnte, dan­ken wir einer Privatinitiative. Innerhalb von knapp 2 Jahren wurden insgesamt 1.400 Arbeits­stunden unentgeltlich geleistet, mehr als die Hälfte alleine von Johann Wagner, weitere 333 Stunden von seinem Kollegen Günter Wagner.

Bei der aus festem Mauerwerk bestehenden Mühle war vor Beginn der Renovierung das Dach teilweise eingedrückt, der Mühlbach verschüttet, das Wasserrad verfallen und die Innenein­rich­tung völlig morsch. Mit Hilfe zahlreicher Sponsoren aus der Region (Fa. Erwin Bruckner, Sägewerk Wagner, Tischlerei Schneider, Höllmüller Franz, um nur die wichtigsten zu nen­nen) und einer Bausteinaktion konnte im Jahr 2004 die Dachsanierung in Angriff genommen werden. Im Folgejahr musste aus Geldmangel zwar ein Baustopp verfügt werden, aber mit Hil­fe eines Zuschuss des Bundesdenkmalamts zu den Materialkosten konnten 2006 die Fassa­denarbeiten durchgeführt und die Inneneinrichtung ersetzt werden. Besonderes Augen­merk wurde dabei auf eine traditionsgemäße Ausführung der Arbeiten gelegt, wie zum Beispiel der wunderschön erneuerte Außenputz zeigt, welcher mittels spezieller Reibetechnik mit einem Riedelbesen aufgebracht wurde. Auch das von Anton Fuchs gefertigte neue Wasserrad und das Kemprad mit sei­­­nen handgeschnitzten Zähnen sind Meisterwerke traditioneller Hand­werkskunst.

Dass einzelne Teile der originalgetreu wieder hergestellten Inneneinrichtung – zb. der Beutel­kasten oder das Bett des Müllers in der Schlafkammer – aus demontierten Mühlen im Luger Graben bei Waidhofen/Ybbs geholt wurden, tut dem Gesamteindruck keinen Abbruch. Die Hausmühle der Familie Pfaffenlehner , die in ihren Grundfesten aus dem 16. Jhdt. stammt und deren Malerei über der Eingangstür auf eine Renovierung nach einem Brand im Jahr 1861 hin­weist, ist jedenfalls seit September 2006 wieder funktionstüchtig und im Rahmen von Füh­rungen für die Öffentlichkeit zugänglich!

Die Goldhaben- und Hammerherrengruppe Ostarrich hat sich nun zur Aufgabe gemacht, die Pfaffenlehnermühle – neben dem Schaumahlen, das für angemeldete Gruppen (Kontakt über die Marktgemeinde Neuhofen/Ybbs, Tel.: 07475/52700) jederzeit durchgeführt wird – mit Leben zu erfüllen. Das „Mühlenfest“ am 16. September 2007 bietet (bei Schönwetter) allen Interessierten die Möglichkeit, traditionelle bäuerliche Eigenversorgung zu erleben. Die jüngere Generation kann verfolgen, wie viele Arbeitsgänge nötig sind, ehe wir knuspriges Brot genießen können. Bei älteren Mitbürgern werden Erinnerungen an die Zeit nach dem Krieg geweckt, wo in manchen Bauernhöfen durchaus noch mit alten Stiftenmaschinen gedroschen wurde. Technik-Fans wird das Mahlwerk begeistern und die Tatsache, dass mit Hilfe eines E-Motors das unterschlächtige Mühlrad sogar bei Niederwasser betrieben werden kann. Bio-Freaks können die unterschiedlichsten Getreidesorten kennenlernen und sich Tipps für das Backen eigenen Brotes holen. Mit Bauernbratl, Krapfen usw. wird für das leibli­che Wohl gesorgt. Alles in allem verspricht also das „Mühlenfest“ in Gitzing einen vergnüglichen und informativen Tag zwischen gelebter Tradition und fast vergessenem Handwerk.

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